|  :: technische Zeichnung ::
Videotellurium / Motion II
"Die Erde erinnerte uns an eine im dunklen Weltall
hängende Christbaumkugel. Als wir uns weiter und weiter entfernten diminuierte
sich ihre Grösse. Schliesslich schrumpfte sie zur Grösse einer Murmel,
die schönste Murmel die man sich vorstellen kann. Dieses schöne, warme,
lebendige Objekt sah so zerbrechlich aus, schien so empfindlich, dass
es durch die sanfte Berührung mit einem Finger
zerbröckeln und auseinander fallen würde. Dieser Anblick muss einen
Menschen verändern..." - James Irwin, Astronaut USA
Katja Loher versetzt die Betrachter ins Weltall, zeigt den
Blick von aussen auf unseren Planeten und lässt aus der Distanz über
die Erde sinnieren. Das "Videotellurium"* fixiert in den
Planeten Fragen und konserviert diese als Artefakte für die Zukunft.
"Videotellurium" ist eine raumgrosse, skulpturale Repräsentation
eines Telluriums, ein mechanisches Modell der Himmelskörper in unserem Solarsystem.
Katja Loher verwandelt Riesenballone in «Videoplaneten», die mit
unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen um die Sonne im Zentrum kreisen
und sich konstant um die eigene Achse drehen. Videoprojektoren rotieren als Monde
und Satelliten um die Planeten und bespielen sie mit bewegtem Bild. "Videotellurium
/ Motion II" besteht aus einer Sonne und zwei rotierenden Planeten.
Die Videos präsentieren Choreographien mit Menschenmengen aus der Vogelperspektive.
Dadurch entstehen reale Abbilder, durch die Uniformität wie geklont und
durch die Perspektive verfremdet. Die Menschen wirken wie Einzeller unter dem
Mikroskop, die wir beobachten und untersuchen. In den Choreographien akkumulieren
sich die Individuen, sie verwandeln sich in scheinbar abstrakte Muster bis
letztendlich ein monochromes Ornament wie in einem Kaleidoskop entsteht. Im Übergang
des Individuums in die Masse wird der Körper abstrahiert und der Mensch
zum Muster. Mit dieser reduzierten, mikroskopischen Bilderwelt konstruiert
Katja Loher visuelle Poesie. Die Tänzer formen Buchstaben, die in der
Postproduktion zu Fragen kombiniert werden. So erscheinen zum Beispiel folgende
Fragen auf dem roten Planeten: "Do fish love cats as much as cats
love fish ? How can a fish tell a cat when a fish loves a cat ? How can we
dance with both feet on the ground ?"
Damit werden Szenen kombiniert, in welchen die Menschen zu nummerierten
Teilen einer riesigen Maschine werden. Die jüngsten Choreographien präsentieren
Menschengruppen, die Arbeiten verrichten müssen, die früher von
der Natur erledigt wurden, damit die Menschheit in ihrer gegenwärtigen
Zahl überleben.
*Ein Tellurium (lat.: Tellus - die
Erde) ist ein mechanisches Modell zur Demonstration der Bewegungen
und Positionen der Himmels-körper im heliozentrischen Solarsystem.
:: VIDEOTELLURIUM
/ MOTION II , jetzt in Zürich ::
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