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PRESSE 2007

Katja Loher (geb.1979) inszeniert ein menschliches Schachspiel mit lebendigen Figuren. Dabei zieht sie, wie bei Marionetten, die Fäden und stellt so die partizipative Rolle des Menschen in Frage. Das strategische Schachspiel mutiert zu einem Kampf zwischen Leben und Tod und suggeriert ein «Endspiel» in der Tradition Becketts.
Helen Hirsch ist Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin, Künstlerische Leiterin Kunsthalle Palazzo

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Ausschnitt aus einem Interview im Katalog

Die Performance- und Videokünstlerin Katja Loher (New York und Basel) im Gespräch über ihr neueste Arbeit Schachfeld (2007), welche sie erstmals in der Kunsthalle Palazzo als High-Definition-Videoprojektion zeigt. Der zwanzigminütige Film – mit fast 50 Schauspielern in New York inszeniert – zeigt zwei stilisierte, roboterhafte Figurengruppen auf einem Schachfeld. Nach und nach verselbständigen sich die Akteure und geben dem so stark reglementierten Spiel eine unerhörte Wendung.

Peter Stohler: Du arbeitest wie eine Regisseurin «grosser» Kinofilme. Für Schachfeld filmst du gleichzeitig mit drei Kameras, hast Profis für eine hochartifizielle Tonspur engagiert. Schachfeld ist visuell sehr aufregend und perfekt durchstilisiert. Einiges erinnert an die verschrobene Welt eines Matthew Barney. Hat dies damit zu tun, dass du seit 2004 vorwiegend in New York arbeitest?
Katja Loher: Das hat sicher mit dem extremen Potential dieser Stadt zu tun. Viele sind dort bereit, sofort etwas anzupacken, diese Stadt motiviert grenzenlos zu denken. Die Idee mit grossen Menschengruppen zu arbeiten entstand letztes Jahr während meiner Residenz in New York, für Video Optica hatte ich eine grössere Menschenmenge dirigiert, welche sich zu Buchstaben gruppierte.
Peter Stohler: Deine früheren Videoarbeiten wirken sehr «stimmungsvoll»: sie evozieren eine sehr persönliche, verspielte Welt. Schachfeld dagegen ist politischer und dreht sich um so gravierende Dinge wie den Aufstand gegen etablierte Machtverhältnisse: das Schach- wird zum Schlachtfeld. Inszenierst du nun «Welttheater»?
Katja Loher: Ich halte es gerade heute wieder für sehr wichtig, prägnante Aussagen zu formulieren, weil wir als engagierte Kunstschaffende grosse Verantwortung tragen. Ich frage mich, wie wir heute mit Kunst politische Aussagen machen können und versuche es immer wieder neu. Bei Schachfeld wird die Erdkugel mit Schach, dem strategischen Kriegsspiel verglichen und es befinden sich vielschichtige, politische Hinterfragungen in der Narration.

Peter Stohler ist Kunstwissenschaftler und Kurator, Direktor Centre pour l' image contemporaine, Genf

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16.06.07 / Regioartline
Dietrich Roeschmann

Wir stellen ihnen auf den folgenden Seiten zehn ausgewählte Einzelpositionen vor, die uns in den letzten Monaten auffielen - und die von einer der Galerien zwischen Karlsruhe, Basel und Strasbourg vertreten werden, die an die Art38 Basel eingeladen wurden.

Katja Loher: Die Welt als Spiel
Die junge Schweizerin dreht in ihrer Wahl-Heimat New York grosses Kunstkino über die Dialektik der Freiheit

Das Schachfeld und das Schlachtfeld sind nicht nur phonetisch nächste Nachbarn. Das zeigt sehr eindrücklich Katja Lohers Video-Arbeit, die die 27-Jährige kürzlich mit rund 50 SchauspielerInnen realisierte. In einem Setting, das in seiner reduzierten Kulisse an Lars von Triers Lehrstückkino ("Dogville", "Manderley") erinnert und von Figuren bevölkert wird, die einem Video von Matthew Barney entflohen sein könnten, stellt Loher hier die Macht- und Ohnmachtverhältnisse in der globalisierten Welt als klare Wechselbeziehung zwischen Oben und Unten nach. Die strikte Logik von Herrschaft und Unterdrückung führt nach einer Weile jedoch zu ihrem Scheitern, die Hegemonie der Könige gerät ins Wanken, die Bauern streiken und übernehmen die Führung. Doch auch sie scheitern an ihr: Weil sie nie die Gelegenheit hatten, einen Begriff von Verantwortung zu entwickeln, den die Könige ihrerseits durch die Logik der Gewalt längst überwunden haben. Was bleibt, ist das Vakuum - ein bedrohlicher Zustand für alle Beteiligten. "Schachfeld" - zurzeit im Palazzo Liestal zu sehen - ist die aktuellste Arbeit der in Basel und New York lebenden Medienkünstlerin, die in ihren aufwändig produzierten Videos seit einigen Jahren ebenso präzise wie poetische Metaphern auf das ambivalente Verhältnis von Macht, Freiheit und Abhängigkeit liefert.

 

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